Haid - Seite 1

Chronik der Ziegelbacher Haid

1787 - 2000

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Vorwort

Diese Chronik wurde zum Haider-Fest 2000 erstellt. Grundlage für die Erstellung der Chronik war die Sammlung von Andreas Forderer, Ziegelbach. Für die Zurverfügungstellung der Unterlagen bedanken wir uns recht herzlich.
Die Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zur Fortschreibung der Chronik sind wir für weitere Beiträge dankbar.

 

Zusammengestellt von:
Ottmar Bendel

Layout:
Dr. Georgine Holzmüller

Fotos:
Privatbesitz und Ottmar Bendel

 

   Quellenverzeichnis:

1. Von Pater Reinfried Schneider (1975)
2. Aus „Geschichtliches über Ziegelbach“
3. Aus dem Waldseer Wochenblatt
4. Aus „Chronik der Gemeinde Ziegelbach“ von
     Martha Ehrmann, geb. Butscher
5. zusammengetragen von Ottmar Bendel

 

Zur Geschichte der Haid

Da in unserer Gegend bis ins 18. Jahrhundert die sogenannte Dreifelderwirtschaft geherrscht hat, gab es bei den Bauern immer große Unzufriedenheit. Die ganze Dorfflur war in Ösche eingeteilt ( oder Gewanne ). Sie hatten keine Feldwege. Und in diesen Öschen, wo fast jeder Bauer ein Stück Feld besaß, mußte im Frühjahr oder Herbst die Feldbestellung gleichzeitig gemacht werden. Denn nach der Aussaat wurden die Ösche gesperrt. Wegen dieser Unzufriedenheit der Bauern begann nach dem Bauernkrieg zuerst der Fürstabt von Kempten mit einer Flurbereinigung. Diese Bewegung setzte sich dann über das ganze Allgäu hinweg durch. Mancherorts mußten die Bauern gezwungen werden, fast überall aber waren sie einverstanden. Nur die Aussiedlung, die damit verbunden war, ist verschieden zu beurteilen.1

Bei dieser sogenannten “ Vereinödung “ oder Flurbereinigung bekam jeder Bauer seine Felder zusammenhängend. Wenn diese Flur dann weiter vom Ort entfernt war, wurde der Hof ebenfalls aus dem Dorf hinaus verlegt.
Es wurden Geometer und Feldschätzer aufgestellt, die die Fluren genau vermaßen und auch die Bonität des Bodens abschätzten, damit nach Möglichkeit die Fluren wieder gerecht verteilt wurden.
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Die Vermessungen begannen in unserer Gemeinde 1788 ( wenn auch schon Sebastian Binder aus Himbach 1787 hinaus baute in die Haid ). Sie dauerten dann bis zum Jahre 1815. 1

Anno 1788, den 3. April hat man mit der Vereinödung angefangen zu schätzen und zu messen. Die Schätzer sind Georg und Ferdinand Veeser, Melchior Wucherer, Antoni Ludescher, Josef Natterer und Josef und Kilian Hofmaier und Johannes Geray von Haidgau. 2

Die zusammenhängenden Fluren bekamen jetzt Heiligennamen, die zu mindest am Ende der Vermessung um 1800 der Besitzer selbst wählen konnte.
Hausnamen kommen oft von den Vornamen der Besitzer, manchmal auch von den ausgeübten Berufen oder von Körpermerkmalen ( Dickes ) oder der Größe ( Lang ) usw. Aber Hausnamen sind immer interessant weil sie auf dem Hause bleiben, auch wenn längst ein anderer Besitzer darauf ist. In Ziegelbach gehen die Hausnamen mindestens 500 Jahre zurück.
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Allgemeines

Anno 1787, den 17. Heumonat nachmittags um ½ 5 Uhr ist ein schreckliches Wetter über die Haid hergekommen und ein starker Wind und Hagelwetter in größe von einer Baumnuß hat das Wetter mitgeführt. Den Himbacher Ösch hat es alles in Grund verschlagen, den Ziegelbachern die Hälfte. 2

1796, den 24. Juni, sind die Franzosen über den Rhein herum, vor ihnen her sind kommen die Kundesche Husaren, in diesen ist Ziegelbach vom 15. Oktober kommen und 3 Wegen, auf dem Greut und der Haid haben sie alle Häuser ausgeraubt. Die Leute sind die mehrsten von den Häusern weggelaufen. 2

Nachtrag: Nr. 111/1901- Waldsee,21.Juli
Auf der Ziegelbacher Haid wird eine Wasserleitung errichtet. Die Ausführung des Unternehmens, wurde dem Wasserleitungsgeschäft F. Auer jg. übertragen. 3

Jahrgang 1901: Die 9 Bauern auf der Haid: Martin Holzmüller, Karl Frick, Josef Kling, Josef Gut, Paul Wirth, Karl Gsell, J.B. Merk, Witwe Diem und Witwe Ringer beschlossen dieses Frühjahr, eine Wasserleitung zu ihren Häusern zu erstellen. Das nötige Wasser bot sich ihnen in einer reichen Quelle ob Himbach, welche sie von dem Eigentümer derselben, Josef Vogler, um 75 Mark erstanden. Die Quelle wurde gefasst und in ein 14.000 Liter haltendes Reservoir geleitet. Die Gesamtlänge der Leitung ist 5.030 Meter. Die galvanisierten Rohre wurden 1,10 Meter tief gelegt. Für den Meter Grabarbeit bezahlte man 35 Pfennig. Auch die 3 nächstgelegenen Bauern von der Haidgauer Haid schlossen sich dem Unternehmen an. Die Arbeit wurde von Flaschner und Kupferschmied Auer in Waldsee ausgeführt.
Am 30. Oktober war die Wasserleitung überall eingerichtet und funktioniert ausgezeichnet. Allenthalben sind 3 Hahnen: im Hof, im Stall und in der Küche. Der Wasserstrahl ist so kräftig, das er mit der Hand nicht zurückgehalten werden kann. Nun sind die Haidbauern von der lästigen Arbeit des Gumpens befreit und der Gefahr enthoben, daß in trockenen Jahrgängen das Wasser in den Gumpbrunnen ganz ausging. Die Wasserleitung bedeutet einen großen Fortschritt für den Ökonomiebetrieb und die Hofgüter haben an Kaufwert viel gewonnen. Die Kosten der ganzen Leitung, die gemeinschaftlich getragen werden, belaufen sich auf ca. 9.000 Mark.
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Jahrgang 1902: Am 5. September, abends gegen 5 Uhr, als alles mit Binden und Einführen des Habers beschäftigt war, kam von Molpertshaus her ein mächtiger Gewittersturm, der die geladenen Wagen umwarf, die Garben fortwehte, Bäume entwurzelte, Ziegeldächer beschädigte und alles, was draußen war, total durchnäßte. In 15 Minuten war alles vorbei. 4

Jahrgang 1911: Am 16. November wurde hier ein starkes Erdbeben nachts um ½ 11 Uhr verspürt. 4

Jahrgang 1920: In diesem Jahr richtete besonders in Württemberg die Maul- und Klauenseuche große Verheerung an. Hier fing die Seuche auf dem Greut an und griff auf alle Parzellen über. Bis auf 2 oder 3 Gehöfte war überall die Seuche. 4

Jahrgang 1938: Nachdem die Maul- und Klauenseuche Ende August zunächst in 4 Häusern auf der Haid ausgebrochen war, ist sie nun auch in Oberziegelbach, wenige Tage danach in Ziegelbach und in Rohrbach ausgebrochen. Am Rosenkranzfest war sie schon in 18 Gehöften. Die Behörden hatten strengste Sperrmaßnahmen vorgenommen, aber die Seuche ließ sich nicht aufhalten. 4

Im Jahre 1986 wurde von den Haidern nach dem Festwagenbau für das 90 jährige Jubiläum der Krieger- und Soldatenkameradschaft Ziegelbach das erste Haiderfest abgehalten. Seither findet jedes Jahr ein Haiderfest für alle Einwohner der Haid statt. Für das Jahr 2000 wurden zusätzlich alle ehemaligen Haider eingeladen. 5